
|
Bereits
am Anfang der 1840er Jahre wurde allgemein bekannt, dass eine bayerische West-Ost-Eisenbahnverbindung
dringend erforderlich sei. Nach langen Diskussionen - es standen auch andere
Strecken z.B. Amberg - Schwarzenfeld - Pfreimd - Waidhaus - Pilsen zur
Diskussion - genehmigte am 22. Juni 1857 König Maximilian II. die Trasse
Schwandorf - Cham - Furth im Wald mit Anschluss an Pilsen. Im Herbst 1858 begann
die Ostbahn mit dem Bau dieser Strecke, obwohl zu dieser Zeit noch völlig
unklar war, wer wann die Bahn Furth - Pilsen - Prag bauen würde. Bei
der Festlegung der für Bahnhöfe und Haltestellen in Frage kommenden Orte hatte
die Ostbahngesellschaft eine Vorauswahl getroffen. Sie beabsichtigte unter
anderem auch eine Station in Kothmaißling zu errichten. Man hielt eine
Haltestelle in Kothmaißling für "sehr wünschenswert", da dieser Ort
etwa in der Mitte zwischen Cham und Arnschwang liege und, wenn auch von weit her
keine Straßen führen, doch in dieser Gegend viele und große Dörfer liegen,
die mit Kothmaißling durch Gemeindewege verbunden sind, oder leicht werden können. Beinahe
wäre diese Ortschaft auch Station einer Trasse Straubing - Kothmaißling auf
Anregung der Städte Kötzting und Viechtach geworden. Dieses Projekt wurde aber
ebenso ein Opfer bayerischer Eisenbahnpolitik wie eine Strecke Passau – Cham.
Bis es zur Eröffnung der Ostbahnstrecke Cham - Furth i. Wald am 20. September
1861 kam, stieß die Eisenbahngesellschaft auf viele Schwierigkeiten. Durch die
negativen Begleiterscheinungen des Bahnbaus - Grundabtretung, Zwangsenteignung,
Flurschäden, Verkehrsbehinderungen usw. - wurde bei der Bevölkerung eine
eisenbahnfeindliche Stimmung hervorgerufen. So wurde in den vom Bahnbau
betroffenen Gemeinden das Bewusstsein gefördert einer übermächtigen
Gesellschaft gegenüber zu stehen, die nun am längeren Hebel sitzt. Dies spürte
auch die Ortsgemeinde
Selling, die sich über die eigenmächtige Entnahme von Sand aus der in
Privatbesitz befindlichen Chamb beschwerte. Ebenso monierte die Gemeinde
Rieding die Behinderung des
Verkehrs auf den Ortsverbindungen durch die Lokalbahn Kothmaißling - Raindorf,
da weder eine Unter- noch eine Überführung der Wege miteingeplant war. Positive
Auswirkungen hatte der Bau der Eisenbahnlinie auf die Bevölkerungsentwicklung.
War bis etwa 1840 eine Stagnation der Einwohnerzahlen festzustellen, so setzte
seit der Eröffnung der Hauptlinie Schwandorf - Furth i. Wald eine starke
Bevölkerungszunahme
vor allem in Cham, Furth i. Wald und Kothmaißling ein. Während man allerdings
in dem Gebiet Kothmaißling/Raindorf in den Jahren von 1840-1949 eine Bevölkerungszunahme
um mehr als 100 % feststellte, erhöhte sich die Rate in anderen Dörfern z.B.
Arnschwang, Weiding nur geringfügig. Dies ist vor allem darauf
zurückzuführen, dass Kothmaißling ein wirtschaftliches
Entwicklungsgebiet, - durch
das Aufblühen des Steinbruches Blauberg und einer Steinschleiferei in
Kothmaißling - war. Durch
die Eröffnung der Hauptlinie Schwandorf - Furth i. Wald erlebte im Landkreis
Cham der Holzhandel, die Glasindustrie und die Steinindustrie eine starke Aufwärtsentwicklung.
Während der Station Kothmaißling im Abtransport von Holz und Glasprodukten
kaum Bedeutung zufiel, war sie im Güterabgang von Steinen die bedeutendste
Bahnstation. Bezieht man die Angaben für das Jahr 1880 mit ein, in dem an der
Station Kothmaißling nicht ganz 5000t Steine abgingen, so vervierfachte sich
der jährliche Absatz bis zum Jahre 1890. Verantwortlich
für diese Entwicklung war der Ernstsche Steinbruch bei Kothmaißling/Raindorf
(seit 1880 Bezeichnung Blauberg). Der Besitzer Max Ernst aus Cham erbaute im
Jahr 1878 eine Industriebahn von Kothmaißling nach Raindorf; er stellte damit
eine direkte Verbindung zwischen der Hauptlinie Schwandorf - Furth i. Wald und
dem Verladeplatz des Steinbruches Blauberg her. Die Industriebahn Kothmaißling
Raindorf schuf die Voraussetzungen für den Granitabbau im großen Stil. Die
Verbindung war bereits im August 1878 fertiggestellt. Der Steinbruch und ein
dazu gehörender steinverarbeitender Betrieb in Kothmaißling boten zahlreiche
Arbeitsplätze. Der Aufschwung des Granitbruches Blauberg war nur durch seine günstige
Verkehrslage möglich. Die nur etwa über 1 km lange Industriebahn bot einen
guten Anschluß an das Hauptbahnnetz. Eine Rollbahn von insgesamt 4 km Länge
erleichterte die Transporte innerhalb des Betriebsgeländes. Die
Industriebahn Kothmaißling - Raindorf wurde 1971 stillgelegt und inzwischen
weitgehend demontiert. Der Bahnhof in Kothmaißling hat jedoch heute seine Bedeutung als Umschlagplatz für Granit und sonstige Güter verloren, da das Gütergleis stillgelegt wurde, jedoch ist er der einzige Bahnhof im Landkreis, neben Cham und Furth i. W., in dem noch Angestellte der Bahn bedienstet sind. |